- Was ist Amnesie - eine kleine Definition und Erklärung von
Prof. H.J. Markowitsch
- Amnesieformen und mit ihnen verknüpfte Krankheitsbilder
- Was kann man dagegen tun?
- häufig gestellte Fragen: einige interessante Fragen und Antworten zum Thema Amnesie...
Amnesieformen und mit Ihnen verknüpfte Krankheitsbilder:
Es werden mehrere Prototypen von Amnesie unterschieden, aber oft
überlagern sich diese:
- retrograde (rückwirkende) Amnesie:
Gedächtnisverlust für den Zeitraum vor Eintreten des schädigenden
Ereignisses (im Gedächtnis gespeicherte Bilder oder Zusammenhänge können
nicht in das Bewusstsein geholt werden.
- anterograde (vorwärtswirkende) Amnesie (=> Neugedächtnis):
nach einem schädigenden Ereignis ist das Neugedächtnis gestört,
nach der eigentlichen Bewußtlosigkeit können die Betroffenen "normal"
erscheinen, vergessen aber neue Ereignisse sehr schnell wieder;
meist wird auch die Vergesslichkeit selbst vergessen, für den Betroffenen
entsteht also zunächst weder Krankheitsbewußtsein noch Leidensdruck.
- kongrade Amnesie:
Das eigentliche Ereignis ist wie ausgestanzt aus der Erinnerung
ohne Verlust der rückwirkenden Erinnerung
und ohne Störung des Neugedächtnisses.
- transitorisch-globale Amnesie:
vorübergehender Ausfall von Alt- und Neugedächtnis,
meist zusammen mit Orientierungsstörung, oft bei Migräne
Amnesie durch Zerstörung oder Schädigung des Hippocampus:
der Patient kann sich nichts dauerhaft merken,
nur das Kurzzeitgedächtnis ist vorhanden.
Jedes neue Ereignis löscht die Erinnerung an das vorhergehende aus.
Dem Patienten erscheint das Leben wie ein einziger Augenblick, ein ewiger
Moment.
- psychogene Amnesie:
Verdrängung unangenehm erlebter Situationen,
Zeichen einer abnormen Erlebnisreaktion
- hysterische Amnesie:
Ein qualvolles unangenehmes Erlebnis wird durch Verdrängung beiseite
geschoben. Häufig wird hierbei der Inhalt wohl wahrgenommen, aber die
Verfügbarkeit ausgeblendet.
Beim amnestischen Syndrom ist das Kurzzeitgedächtnis oft weitgehend
intakt.
Das prozedurale Gedächtnis, wo Handlungsroutinen wie Schwimmen, Radfahren
oder Schuhe binden hinterlegt sind, ist meist nicht betroffen.
Besondere Einschränkungen erleiden die Patienten in aller Regel beim
episodischen Gedächtnis, also dort, wo Details über das persönliche aber
auch über das erlebte öffentliche Leben abgespeichert sind.
Anterograde Amnesien sind in aller Regel ausgeprägter als retrograde;
d.h. das Neugedächtnis ist meist stärker geschädigt als das Altgedächtnis.
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