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Einführende Infomationen über Amnesie  

  1. Was ist Amnesie - eine kleine Definition und Erklärung von
    Prof. H.J. Markowitsch
  2. Amnesieformen und mit ihnen verknüpfte Krankheitsbilder
  3. Was kann man dagegen tun?
  4. häufig gestellte Fragen: einige interessante Fragen und Antworten zum Thema Amnesie...

I. häufig gestellte Fragen zum Thema Amnesie
Wie fühlt sich der Betroffene?
- Zum Beispiel kann sich der Amnesie-Betroffene fühlen wie in einem Film, in dem er mitspielen muss, und von dem er das Drehbuch gar nicht kennt. Er "ist im falschen Film". Er ist auf der Bühne in einem Stück, das er nicht kennt. - Der Betroffene sucht Orientierung: Wo bin ich? Was ist hier los? Was mache ich hier? Warum bin ich hier? Gehöre ich hierhin? Träume ich oder bin ich wach? Was ist wirklich und was nicht? Auf was kann ich mich verlassen? Was habe ich selbst erlebt, und was habe ich nur gehört oder gelesen oder geträumt? - Der Amnesie-Betroffene kann sich auf sich selbst nicht mehr verlassen, - oder nur noch eingeschränkt verlassen. Wie soll er da anderen vertrauen und wem? - Vielleicht ist er in seinen Erinnerungsfetzen auch noch irgendwo in der Vergangenheit. Vielleicht ist er in seinem verbliebenen Bewusstsein und/oder seinem Wesen wie ein Kleinkind, das aber fatalerweise jetzt in einem erwachsenen Körper steckt, und er/sie wundert sich jetzt, dass die Eltern nicht mehr leben, wie gross die Geschwister sind, oder wie alt der Partner plötzlich ist usw.

Kommt das Gedächtnis zurück?
- Ja, aber es ist ein langer Weg dorthin. Wir müssen den Genesungsvorgang unterstützen, neu lernen und trainieren. Gedächtnistraining kann dabei helfen. Indirekt helfen Gespräche, Musik, Bewegung, Sport.

Taucht das Gedächtnis vollständig wieder auf?
- Das mag auch schon vorgekommen sein. Oft ist es eher so, daß anfangs einzelne "Erinnerungsinseln" auftauchen, einzelne Erinnerungsfetzen, die zueinander keine Verbindung haben.

Bleiben diese "Gedächtnis-Inseln" einzelne Inseln, oder können die auch wieder zusammenwachsen?
- Das Gedächtnis vernetzt die "Inseln" miteinander, und das Bild vervollständigt sich auch selbständig - und das sogar noch nach Jahrzehnten.

Wie lange dauert das?
- Es gibt alle Varianten. Es kann ziemlich plötzlich "wieder Licht im Dunkel" werden, es kann Wochen, Monate oder Jahre dauern, - meist ist nach 2 Jahren wieder eine gute Basis im Gedächtnis regeneriert.

Ist die 2-Jahresfrist ein Ausschlusstermin? - Ende der Regeneration?
- Nein, auch nach diesen 2 Jahren geht die Regeneration des Gedächtnisses weiter, - ich persönlich machte danach noch wesentliche Schritte "zurück zu mir selbst". Sehr lang ist der Weg zur Selbständigkeit, - speziell das Selbstbewußtein, eine realistische Selbsteinschätzung, Selbstvertrauen und Selbstachtung müssen oder mußten wir mühsam wieder erlernen.

Was war/ist besonders schwierig?
- Ein besonderes Problem sind die fehlenden Erfahrungen. Wir haben zumindest zeitweise keine eigene Vergangenheit. Uns war oder ist "der Film gerissen", - wo andere auf jahrelange eigene Erfahrung bauen können, da ist bei uns gähnende Leere. Wir müssen glauben, vertrauen, neu kennenlernen, vernetzen, logisch erschließen. - Es ist ein großer Unterschied, ob man sich selbst schon mal verbrannt oder geschnitten oder geklemmt hat, oder ob man diese Schmerzen nur irgendwo durch hören oder lesen kennenlernt.

Wie kann ich, und wie können meine Angehörigen und Bekannten mir helfen, diese Zeit zu meistern?
- Der Betroffene tut gut daran, wenn er versucht an Bekanntes anzuknüpfen, wenn er sich zumindest anfangs mit vertrauten und einfachen Dingen umgibt. Gleichzeitig tun wir Betroffenen gut daran uns eine Umgebung zu schaffen, die zum lernen anregt. Es hilft auch, wenn wir uns mit Leuten umgeben, von denen wir lernen können, und die uns geschützt fordern und fördern. - Die Bekannten können uns helfen, den Alltag wieder neu zu entdecken, indem sie uns auf alte Wege führen und uns freundschaftlich Hilfe oder Nachhilfe geben ohne zu lästern oder zu schulmeistern. - Gespräche sind für uns sehr wichtig um die eigene Situation zu verarbeiten, sie mit anderen zu reflektieren. Wir können dadurch neue Sicherheit aufzubauen, wir können uns austauschen und gegenseitig stützen. Wir stehen nicht allein, und wir können unser Problem relativieren. Für jeden einzelnen ist die Amnesie eine überwältigende Bedrohung, aber in der Gruppe sehen wir, daß sehr viel Besserung und Erleichterung möglich ist. Einige von uns haben es schon geschafft und stehen wieder im Leben "wie ich und Du und jeder". - Es ist sehr ermutigend, diese Veränderungen und Ergebnisse mit eigenen Augen zu sehen und zu erleben.


Das sind nur einige wenige der unzähligen Fragen, die Amnesie-Betroffene beantworten müssen. Natürlich wissen wir auch nicht jede Antwort, aber wir haben zahlreiche Wege und Hilfen gefunden, die den Weg zurück zum Alltag leichter machen. "Mut tut gut", - und wir haben ja immerhin schon eine Hürde genommen, an der wir fast gescheitert wären. Wir leben noch, - und Mut, Zuversicht und Freude sind die besten Voraussetzungen dafür, daß wir den Rest auch noch schaffen. Der Mensch hat unglaubliche Selbstheilungskräfte, die wir unterstützen können. Bewegung, Sport, Musik, Tanz z.Bsp. fördern ein neues Gefühl für den eigenen Körper, trainieren die Orientierung, Koordination und Harmoniegefühl und bauen damit Selbstbewußsein auf. Das geht gemeinsam noch leichter. Wir freuen uns auf jedes neue Mitglied.

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Amnesie - vierter Teil


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